Eines Morgens wachte Josefina durch ein schreckliches Gepolter auf.
Entsetzt lief sie in die Stube, wo der Lärm herkam.
Sie traute ihren Augen nicht: Der Schrank, der immer an der linken Wand
gestanden hatte, war verrückt!
Er stand plötzlich in der rechten Ecke des Zimmers. Dort wurde er nicht, wie
bisher, von der Morgensonne angestrahlt. Sein warmes braun hatte sich dort
in der Ecke zu einem tristen grau verfärbt, da er nun im Schatten stand.
Sie konnte keine Spuren finden, wer den Schrank verrückt hatte.
Was sollte sie tun?
Da sich der Schrank anscheinend wie von Geisterhand selbst verrückt hatte,
konnte er doch schließlich auch wieder allein an seinen Platz zurück finden!
Sie wurde sauer auf den Schrank und schnauzte ihn an:
„He Schrank, warum bist du verrückt! Stell dich gefälligst wieder an deinen
Platz zurück!“
Der Schrank rührte sich nicht von der Stelle. Er bekam noch nicht einmal
Schuldgefühle! Er veränderte auch nicht seine Farbe.
Josefina durchzuckte es plötzlich. Dass der Schrank verrückt war, war ja nicht
das Schlimmste. Viel schlimmer war, dass das wertvolle chinesische Porzellan
dort drinnen wahrscheinlich vollkommen zerdeppert war! Sie traute sich nicht,
die Schranktüren zu öffnen. Sie würde vor einem heillosen Chaos stehen.
Wahrscheinlich müsste sie gleich alles in den Müll werfen. Sie würde nichts
mehr gebrauchen können, von dem, was da in dem Schrank war!
Der Schreck saß ihr in den Knochen. Sie fühlte sich wie gelähmt. Sie konnte
keine Entscheidung treffen, wie sie weiter vorgehen sollte.
Zum Glück viel ihr ein, erst einmal in Ruhe einen Kaffee zu trinken.
Nachdem sie sich gestärkt hatte, konnte sie wieder einigermaßen klar denken.
Sie musste einen Möbelpacker anrufen. Ihre Freunde konnten Ihr beim
Umstellen des Schrankes nicht helfen. Die hatten alle Probleme mit dem
Rücken. Vielleicht könnten Sie noch beim Aufräumen helfen, oder auf ihre
kleine Tochter aufpassen, während in der Wohnung so schwere Arbeit zu
leisten war. Aber beim Umstellen des Schrankes, da musste ein Fachmann
ran.
Gott sei Dank! Sie hatte nun schon ein paar Entscheidungen treffen können.
Das gab ihr den Mut, nun auch noch die Schranktür aufzumachen.
Auf wundersame Weise war kein einziges Stück von dem kostbaren Porzellan
zerbrochen! Es musste nur vorsichtig sortiert werden. Dabei vielen ihr ein paar
Stücke in die Hand, die im laufe der Jahre immer weiter nach hinten in den
Schrank gerutscht waren. Sie wusste gar nicht mehr, was für tolle Sachen dort
noch versteckt waren!
Zum ersten Mal blitzte ein kleiner Funke Hoffnung in ihr auf!
Natürlich war das noch eine Menge Arbeit, den Schrank wieder zu verrücken
und das Porzellan zu sortieren.
Aber sie sah vor ihrem inneren Auge, dass alles wieder gut werden würde.
Bei der Gelegenheit würde sie den Schrank gleich polieren, so dass sich das
Sonnenlicht noch besser darin spiegeln könnte.
Das Porzellan würde sie jetzt nicht mehr nur zu Ostern und zu Weihnachten
benutzten. Nein, sie würde sich jeden Tag an den Kostbarkeiten, die sie beim
Aufräumen gefunden hatte, erfreuen!
Alles wird wieder in Ordnung kommen! Und sie wird sich an vielem mehr
freuen als vorher!
Willst Du nun die „verrückte“ Auflösung der Geschichte hören?
Plötzlich wachst du auf und dich hat eine schlimme Depression verrückt.
Durch anschimpfen und Schuldgefühle lässt sie sich überhaupt nicht
beeindrucken. Aber auch hier gibt es Hilfe! Vom Fachmann, der Familie und
Freunden. Nicht jeder wird dir helfen können. Das ist aber keine Schuld von dir
oder den anderen(Das liegt am „Rückenproblem“. Schließlich kann ja nicht
jeder „Schränke“ verrücken! ☺)
Gott sei Dank hast du wertvolle Begabungen und Fähigkeiten in dir. Vieles will
sortiert und manches auch erstmal wieder gefunden werden. Auch wenn du
dich in einer Depression „schrottreif“ fühlst;
wirf dich nicht weg! Alles in und an dir bleibt kostbar, auch wenn es nicht so
scheint.
Die Kostbarkeiten des Lebens wieder zu finden, geht nicht von heute auf
morgen. Aber die Vision, wie es aussieht, wenn alles wieder zurechtgerückt
ist, hilft dir.
Gib nicht auf!

- Eine, die nicht aufgegeben hat -
K. P. 08-01-06