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Oft werden Medikamente benötigt, um Körper und Geist wieder einzubalancieren. Eine Behandlung mittels Psychopharmaka darf allerdings nicht zur Folge haben, die persönlichen Probleme einer Frau auszublenden. Bei schweren Depressionen und Psychosen kann auf die Gabe von Medikamenten nicht verzichtet werden, dies sollte aber nur in enger Zusammenarbeit mit dem Facharzt (PsychiaterIn, NeurologIn) erfolgen. Mittlerweile gibt es Medikamente, die mit dem Stillen vereinbar sind. (Infos dazu: www.embryotox.de, www.motherisk.org) Wenn eine Mutter stillen möchte, wird empfohlen, auf diese zurückzugreifen, da das erzwungene Abstillen eine Depression aufgrund der Versagensgefühle und aufgrund der hormonellen Umstellung noch verstärken kann.
Es gibt unterschiedliche Arten von Psychopharmaka, die bei psychischen Erkrankungen eingesetzt werden können.

Antidepressiva
Antidepressiva lassen sich im Wesentlichen in drei Kategorien unterteilen: 1. trizyklische oder tetrazyklische Antidepressiva, 2. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer und 3. MAO-Hemmer. Antidepressiva haben die Funktion, das Gleichgewicht der sogenannten Neurotransmitter im Gehirn wiederherzustellen. Neurotransmitter sind Botenstoffe im Gehirn, die bei der Informationsübertragung zwischen den Nervenzellen eine tragende Rolle spielen. Insbesondere scheinen die Neurotransmitter Noradrenalin und Serotonin für Depressionen verantwortlich zu sein. Bei der Einnahme von Antidepressiva ist Folgendes zu beachten:
Entscheidend ist, dass das Medikament regelmäßig und nach ärztlicher Anweisung eingenommen wird. Die Wirkung setzt im Allgemeinen erst nach 10 bis 20 Tagen ein. Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Übelkeit, Verstopfung, Schwitzen oder beschleunigter Puls sind möglich. Jeder Mensch reagiert anders und unterschiedlich stark auf ein bestimmtes Medikament. Die lästigen Begleiterscheinungen verschwinden oftmals schon nach einer Woche. Der Zeitraum, über den das Medikament eingenommen werden muss, ist individuell verschieden. Auf keinen Fall darf ein Präparat eigenmächtig abgesetzt werden! Antidepressiva machen nicht abhängig - im Gegensatz zu Beruhigungs- und Schlafmitteln. Sobald das biochemische Gleichgewicht im Körper wiederhergestellt ist, werden die Medikamente nicht mehr benötigt.

Angstlösende Medikamente (Tranquilizer)
Angstlösende Medikamente sind auch bekannt unter den Bezeichnungen Tranquilizer oder Benzodiazepine. Die Benzodiazepine sind die am weitesten verbreitete Gruppe der Tranquilizer (engl. "Beruhiger"). Sie finden Anwendung in der Behandlung von Angst- und Unruhezuständen, motorischer Spannung, Gereiztheit und Übererregbarkeit. Sie machen in höherer Dosierung müde und beeinträchtigen das Konzentrationsvermögen. Ansonsten gelten sie im Allgemeinen als relativ gut verträglich. Tranquilizer sollten grundsätzlich nur über einen kurzen Zeitraum eingenommen werden, da sie bei längerem Gebrauch abhängig machen können.

Antimanische Medikamente (Medikamente bei bipolaren Störungen)
Wenn eine Frau nach der Geburt ihres Babys unter einer Manie leidet, so äußert sich dies in den folgenden Symptomen: gehobene Stimmung, geringes Schlafbedürfnis, sehr schnelles Sprechtempo, rasende Gedanken, leichte Ablenkbarkeit, stark gesteigerte Aktivität und mangelndes oder gestörtes Urteilsvermögen.
Manien werden vorrangig mit Lithium, Neuroleptika, Carbamazepin und Valproinsäure behandelt. Während der Lithiumbehandlung muss der Lithiumspiegel im Blut der betroffenen Frau sorgfältig überwacht werden, denn ansonsten besteht die Gefahr der Toxizität (Überdosierung). Lithium ist ein metallisches Element, das in der Natur nur als Salz in Mineralien, Mineralwasser, Pflanzen- und Tiergeweben und in sehr geringer Konzentration auch in menschlichen Geweben vorkommt. Lithium weist zum Teil erhebliche Nebenwirkungen auf, die allerdings durch die Gabe kleinerer Dosen über den Tag verteilt vermieden werden können und meist nach einer gewissen Zeit verschwinden. Lithium macht nicht abhängig und gilt als gefahrlose Behandlungsmethode, wenn die Therapie genau kontrolliert wird.
Ebenso wie bei Lithium sollte auch der Carbamazepinspiegel bzw. Valproinsäurespiegel im Blut regelmäßig überwacht werden. Carbamazepin und Valproinsäure sind ursprünglich antiepileptisch wirkende Medikamente, die zur rezidiv-vorbeugenden und stimmungsstabilisierenden Behandlung bei bipolaren Störungen zur Anwendung kommen. In der Regel werden sie eingesetzt, wenn Lithium nicht geholfen hat, wenn es nicht vertragen wurde oder wenn andere Gründe gegen eine Lithiumbehandlung sprechen. Auch hier sind Nebenwirkungen zu erwarten.

Antipsychotische Medikamente (Neuroleptika)
Wenn eine Mutter unter Symptomen einer Psychose leidet, ist der Einsatz antipsychotischer Medikamente - sogenannte Neuroleptika - erforderlich. Diese Arzneimittel stellen das biochemische Gleichgewicht im Gehirn wieder her und behandeln psychotische Symptome wie z. B. Halluzinationen, Wahnvorstellungen oder Verwirrtheitszustände. Die z. T. erheblichen Nebenwirkungen reichen von Schläfrigkeit, Mundtrockenheit, Verstopfung und Schwindelgefühlen bis hin zu Muskelschmerzen, starkem Zittern, Muskelkrämpfen und verlangsamten Bewegungsabläufen. Oft werden zusätzliche Medikamente verabreicht, die diese Nebenwirkungen einschränken sollen. Der Arzt muss eine entsprechende Dosierung finden, bei der die psychotischen Symptome verschwinden und sich gleichzeitig die Nebenwirkungen in Grenzen halten.

Schlafmittel (Hypnotika)
Schlafstörungen stellen für viele postpartal erkrankte Frauen ein Problem dar. Jedes Medikament, das schlafanstoßend und sedierend wirkt, kann als Schlafmittel oder Hypnotikum bezeichnet werden. Somit handelt es sich bei den Hypnotika (= Schlafmittel) nicht um eine scharf abgrenzbare Arzneimittelgruppe. Angstlösende Medikamente durchbrechen manchmal den Angstkreislauf, der für die Schlaflosigkeit bei Müttern verantwortlich ist. So können angstlösende Medikamente, z. B. die Benzodiazepine, eine hilfreiche Methode zur Unterbrechung des Teufelskreises der Schlaflosigkeit darstellen. Auch Antidepressiva sind zuweilen schlaffördernd. Es ist darauf hinzuweisen, dass bei fast allen Schlafmitteln das Risiko einer Abhängigkeitsentwicklung besteht.