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Die betroffene Mutter braucht vor allem Zuwendung; Menschen, die da sind, die zuhören und die versuchen zu verstehen.
Alle negativen Äußerungen und Gefühle sollten ernst genommen und nicht bagatellisiert oder bewertet werden. Die depressive Mutter leidet sehr. Ihre Antriebslosigkeit, ihre Hoffnungslosigkeit sind Symptome der Krankheit. Auch Appelle an das Verantwortungsgefühl der Frau oder Ermahnungen, sich zusammenzureißen, verstärken das Leid, weil dadurch zusätzliche Schuldgefühle entstehen und das ohnehin schwer angeschlagene Selbstwertgefühl weiter untergraben wird. Daher sind vor allem Lob und Bestärkung angesagt.
Streitereien sollten vermieden werden, denn eine eventuelle Gereiztheit oder Vorwurfshaltung der Betroffenen sind auch Symptome der Krankheit.
Die betroffene Mutter sollte von möglichst vielen Alltagsaufgaben entlastet werden. Sie braucht vor allem Ruhe, Erholung und viel Schlaf! Dennoch ist es wichtig, sie immer wieder liebevoll zu motivieren, kleinere Aufgaben zu übernehmen. Es geht darum, dem Tag eine gewisse Struktur zu geben, Punkte zu setzen, an denen sie sich "entlang hangeln" kann. Denn jeder Tag mit einer Depression ist qualvoll lang. Die Erkrankte sollte verwöhnt werden: ein warmes Bad, ihre Lieblingsmusik, Massage, ein schönes Buch, Spaziergänge, Kinobesuche, Schwimmen gehen, Essen gehen. Auch sollte immer wieder darauf hingewiesen werden, dass es eine Besserung und vor allem auch Heilung gibt!
Die Hilfe und Betreuung der depressiven Mutter sollte auf möglichst viele Schultern verteilt werden: Familie, Freunde, Nachbarn. Auch kleine Beiträge, wie Wäsche waschen, mit dem Kind oder den Kindern spazieren gehen, sind bereits sehr hilfreich. Es besteht die Möglichkeit, eine - ggf. ärztlich verordnete - Haushaltshilfe, Familien- oder Mütterpflegerin in Anspruch zu nehmen. Auch hat jede Frau Anspruch auf Hebammenhilfe. Bis zum zehnten Tag nach der Geburt sind 2x täglich und darüber hinaus bis zum neunten Monat Besuche möglich. Besteht dann noch weiterer Bedarf, können auf ärztliches Rezept weitere Besuche stattfinden.
Auch wenn die Erkrankte unter Appetitlosigkeit leidet, sollte für eine gesunde, ausgewogene Ernährung gesorgt und immer wieder Zwischenmahlzeiten und Getränke angeboten werden.
Zeitweilig ist es erforderlich, der Frau wichtige Entscheidungen abzunehmen und eine ruhige und sichere Führung zu übernehmen: z. B. Ärzte und Therapeuten zu suchen, Arzt- oder Selbsthilfegruppen-Besuche zu organisieren und sie dorthin zu begleiten, wenn sie sich dazu nicht mehr in der Lage fühlt.
Gegebenenfalls ist die Medikamenteneinnahme zu überwachen. Medikamente müssen regelmäßig und nach ärztlicher Vorschrift eingenommen werden, selbst wenn schon eine Besserung eingetreten ist. Auf jeden Fall sollte die Medikation mindestens bis zur völligen Gesundung fortgesetzt werden, besser darüber hinaus, um spätere Rückfälle zu vermeiden.
Andeutungen auf Selbsttötung sollten sehr ernst genommen werden! Eine Selbstmorddrohung ist immer ein Hilfeschrei. Die meisten Menschen, die sich das Leben nahmen, haben dies vorher in irgendeiner Weise angedeutet. Auch wenn nicht direkt Selbstmordgedanken geäußert werden, können kleinere oder größere Anzeichen auf entsprechende Absichten hinweisen. Außerdem besteht die Gefahr, dass das Kind, für das sich die Mutter verantwortlich fühlt, "mitgenommen" wird. Ärztliche und psychotherapeutische Hilfe ist in diesen Fällen zwingend notwendig.
Manchmal ist auch eine stationäre Behandlung unumgänglich, um das Leben von Mutter und Kind zu schützen. Dazu sollte offen mit der depressiven Frau gesprochen werden. Bei Psychosen ist dies leider in den meisten Fällen nicht mehr möglich, da die betroffene Frau kaum noch entscheidungsfähig ist. Sie sollte trotzdem vorher informiert werden, da man nicht weiß, was sie noch aufzunehmen vermag.
Das Auf und Ab gehört zum Heilungsprozess. Selbst wenn die Mutter auf eine Behandlung gut anspricht und ihr Befinden sich schon deutlich gebessert hat, wird sie immer wieder Tiefpunkte durchlaufen, wodurch man sich nicht entmutigen lassen sollte.
Auch Angehörige einer depressiven Mutter sollten das Gespräch mit anderen suchen, um ihre Sorgen, Ängste und ihren Stress auszudrücken. Hilfreich ist sicherlich der Austausch mit Angehörigen anderer Betroffener (s. Kontaktliste Betroffener).
Doch niemand ist perfekt. Die hier aufgelisteten Punkte sollen lediglich als Anregungen dienen.

Angehörigen-Info (PDF)