Vieles kann die betroffene Mutter selber unternehmen, um sich Erleichterung zu verschaffen.
Sie sollte entlastende Gespräche mit verständnisvollen Menschen suchen und offen über ihre negativen Empfindungen und Ängste reden.
Und sie sollte sich professionelle Unterstützung suchen. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, die durchaus kombiniert werden können (s. Professionelle Hilfe).
Sie sollte möglichst viel schlafen, um sich zu erholen, zumindest immer dann, wenn das Kind schläft.
Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig, keinesfalls sollte eine Diät angestrebt werden, um die "alte Figur" wieder zu erhalten. Eine frische und vollwertige Kost wirkt der Erschöpfung entgegen, die für viele Frauen nach der Entbindung ein Grundproblem darstellt. Dabei sind viele kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt wichtig, um den Blutzuckerhaushalt konstant zu halten. Schwankungen im Zuckerspiegel des Blutes können Reizbarkeit hervorrufen. Zu empfehlen sind kaliumreiche Nahrungsmittel wie Bananen, Aprikosen oder Hülsenfrüchte.
Auch wenn es schwer fällt, sich aufzuraffen, körperliche Bewegung ist äußerst wichtig. Denn viel Bewegung hilft nicht nur einem erschöpften Organismus wieder auf die Beine, sondern dient gleichzeitig dazu, den Zustand der inneren Erstarrung, den eine Depression häufig widerspiegelt, zu lockern. Sport wirkt sich positiv auf den Hormonhaushalt aus, die Neurotransmitter werden aktiviert und das biochemische Gleichgewicht wird somit schneller wieder ausbalanciert. Spazieren oder schwimmen gehen, Radfahren, Gymnastik oder auch Sauna sind angeraten. Wertvoll sind auch diverse Formen von Entspannungsübungen (s. Alternativ-medizinische, komplementäre Therapien).
Zum Stillen sollte eine realistische Haltung gewonnen werden und kein Stress damit verbunden sein. Stillen wirkt zwar stimmungsaufhellend, aber nur, wenn es stressfrei geschieht. Stillberaterinnen helfen gerne dabei. Auch sollte die Mutter das Stillen als eine Form der Zärtlichkeit zwischen Mutter und Baby ansehen und genießen können und nicht so sehr auf die Milchmenge achten müssen. Das Beste für das Kind ist immer das, was Eltern aus Liebe und Überzeugung geben - unabhängig davon, ob die Milch aus der Flasche oder aus der Brust kommt. Falls die Mutter abstillen will, ist es äußerst wichtig, dass dies aufgrund hormoneller Veränderungen sehr langsam und möglichst medikamentenfrei geschieht!
Perfektionismus oder zu hohe Erwartungen sollten abgebaut werden. Es sollten nur vernünftige, erreichbare Ziele und teilweise die Beschränkung auf das Notwendigste angestrebt werden - ob es sich um die Ordnung im Haushalt, den Umgang mit dem Baby, den eigenen Körper oder anderes handelt.
Ein gewisser Abstand zum Baby tut gut. Es sollte Freiräume für die Mutter geben, um etwas zu unternehmen - allein, gemeinsam mit dem Partner oder mit FreundInnen.
Erkrankte Frauen leiden häufig unter starken Schuld- und Versagensgefühlen, wenn sie sich nicht in dem Maß selbst um ihr Baby liebevoll kümmern können, wie sie es für richtig halten. Auch leiden sie unter großen Ängsten, das Kind könnte dadurch seelischen Schaden nehmen. Hierbei ist es wichtig zu wissen, dass dieses Risiko gerade dadurch minimiert wird, wenn die Mutter, um bei eigener Schwäche und Bedürftigkeit selbst wieder auf die Beine zu kommen, die Betreuung vorübergehend und sei es auch nur stundenweise in die Hände einer Person ihres Vertrauens gibt. Damit erfüllt sie ihre Aufgabe als Mutter völlig verantwortungsvoll. Je mehr sie ihrem Kind das Gefühl vermitteln kann, dass es jetzt in Ordnung ist, wenn Papa, Oma oder Freundin es jetzt betreuen und es dort gut aufgehoben sein wird, um so leichter wird sich auch das Kind mit der vorübergehenden Trennung tun. Dies wird inzwischen auch durch die aktuelle neurophysiologische Forschung bestätigt. Und wie ein afrikanisches Sprichwort so treffend sagt: "Es braucht ein ganzes Dorf um ein Kind zu erziehen."
Der Tag sollte grob eingeteilt und geplant werden, wie er zu verbringen ist. Wichtig ist, diesen Tagesplan offen, realistisch und flexibel zu halten, so dass er auch erfüllbar wird.
Einschneidende Veränderungen wie Umzug, Renovierungen, Hausbau, Berufswechsel, Trennung vom Partner sollten in den ersten Monaten nach der Entbindung vermieden werden. Es ist nicht der Zeitpunkt für umwälzende Veränderungen. Körper und Seele brauchen Erholung und müssen sich erst auf die neue Situation mit einem Neugeborenen einstellen.
Wichtig ist zu lernen, Hilfe jeglicher Art anzunehmen. Viele Menschen legen Hilfsgesuche als persönliches Versagen aus. Meist kommt der Hilfeschrei daher erst mit dem Zusammenbruch und somit zu spät. Es ist aber ganz im Gegenteil ein Zeichen von Stärke, die eigene Situation zu überdenken, sich zu ihr zu bekennen und Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Selbsthilfegruppen

Seit einigen Jahren bilden sich Selbsthilfegruppen zur postpartalen Problematik (s. Selbsthilfegruppen- und Beraterinnen-Liste). Der hohe Wert dieser Selbsthilfegruppen liegt darin begründet, dass hier Frauen mit einem ähnlichen Erfahrungshintergrund zusammenkommen, so dass ein offeneres, vertrauensvolleres Gespräch möglich ist. Die Selbsthilfegruppe hilft durch die Solidarität und das Verständnis der Frauen, das eigene Selbstbewusstsein zu stärken und individuelle Lösungsmöglichkeiten aus der Krise zu suchen. Neben dem Erfahrungsaustausch dient die Selbsthilfegruppe der Informationsvermittlung bezüglich Literatur, Fachleuten und Therapien. Das unausgesprochene Verstehen einer vergleichbar schwierigen Krankheits- und Lebenssituation macht diese Selbsthilfegruppen zu einem tragenden Stützpfeiler auf dem Heilungsweg. Die Eigeninitiative hebt dabei das Selbstwertgefühl, was maßgeblich zur Heilung beiträgt. Da aufgrund der teilweise großen Entfernungen nicht alle Frauen eine Selbsthilfegruppe erreichen können, gibt es auch das (meist telefonische) Gesprächsangebot anderer betroffener Frauen oder Angehöriger über zwei Kontaktlisten, die nur auf dem Postweg über den Verein zu beziehen sind (s. Kontaktlisten Betroffener) Zum offenen Erfahrungsaustausch ist außerdem ein Forum (s. Forum) eingerichtet.

Tips zur Gründung einer Selbsthilfegruppe (PDF)

Einverständniserklärung Selbsthilfegruppen- und Beraterinnen-Liste (PDF)