Unser Sohn Tim ist nun 15 Wochen alt und endlich kann ich ihn voll und ganz genießen! Er ist ein wahrer Wonneproppen und war von Anfang an - zu unserem Glück - sehr pflegeleicht!

Nach einer ersten erfolglosen Schwangerschaft, die mit einer Ausschabung aufgrund eines Windeis endete, wurde ich sehr schnell wieder schwanger. Darüber haben wir uns sehr gefreut - endlich macht sich unser Wunschkind auf den Weg. Meine Schwangerschaft verlief wie im Bilderbuch, ohne Komplikationen und Beschwerden und ich war topfit!

 

Der errechnete Termin war 01.04.2008 - Aprilscherz. Aber der kleine Mann ließ sich viel Zeit, so dass erst in der Nacht vom 9. auf den 10.4. die ersten Wehen einsetzten. Am Morgen des 10.04. machten wir uns auf den Weg in die Klinik. Aber unser Sohn hatte sich schon auf den 12.04. festgelegt. Nach einer Einleitung kam er dann am Samstagmorgen um 05:44 auf die Welt. Aber leider löste sich die Plazenta nicht eigenständig, so dass eine Stunde nach der Geburt mit einer Vollnarkose die Plazenta manuell entfernt werden musste. Nach der ganzen Prozedur hatte ich ziemlich viel Blut verloren und bin dann beim ersten Toilettengang auch noch kollabiert. Somit war ich am ersten Tag total kaputt und geschwächt und weiß wie die Wand. Aufgrund des hohen Blutverlustes war mein Eisenwert total im Keller. Im Krankenhaus habe ich leider keine Infusion zum Aufpäppeln bekommen. Das Stillen hat dementsprechend auch nicht geklappt, ich war viel zu geschwächt und ausgelaugt. In
meiner letzten Nacht dort habe ich dann entschieden, nicht zu stillen und mit meinem Sohn endlich nach Hause zu gehen.
Ja und dann ging es mir nicht wirklich viel besser, es fing mit Gedankenkreisen und schlaflosen Nächten an, bis hin zu Ängsten, dass ich das alles nicht schaffen werde. Plötzlich war das neue Leben mit Kind da und alles war so fremd.... Mein Mann hatte Gott sei Dank Urlaub und hat immer die Nachtschichten übernommen. Dann sind auch meine Eltern da gewesen und haben geholfen. Ich konnte Tim zwar versorgen, aber ich konnte mich nicht an ihm erfreuen. Plötzlich hatte ich auch Angst, dass da eine Distanz zwischen uns sei. Die Zeiten mit meinen Eltern haben zwar gut getan, aber es ging mir dadurch auch nicht besser. Manchmal wollte ich einfach die Bettdecke über dem Kopf lassen und meine Ruhe haben.

Dann kam der Zeitpunkt, an dem ich wieder allein - also tagsüber - zu Hause sein sollte. Und es war kein gutes Gefühl. Trotz der Medikamente, die ich über meine Neurologin verschrieben bekam, ging es nicht besser. So entschieden wir, dass ich doch in eine Mutter-Kind-Einheit gehen sollte, um auch medikamentös stationär behandelt zu werden. Dieser Schritt fiel mir nicht leicht, aber ich wusste, dass es sein musste, denn zu Hause kam ich nicht zurecht. Also fuhren mich meine Eltern am Mittwoch, 04.06.2008 in die Klinik, wo es eine Mutter-Kind-Einheit auf der Frauenstation der Allgemeinpsychiatrie gab.
Alles war so fremd und von Anfang an habe ich mich nicht wirklich wohl gefühlt. Aber ich bin dort geblieben, denn ich wollte von Anfang an wieder gesund und fit werden, auch für meinen Sohn! Er war und ist meine größte Motivation.
Die Medikamente wurden dort umgestellt - die Medikation habe ich sehr gut vertragen und es ging mir nach einer Woche schon besser. Auch mit meinem Sohn kam ich dort gut zurecht, und ich hatte stets das Ziel, nicht so lange dort zu bleiben. Glücklicherweise war zur gleichen Zeit eine junge Mutter mit ihrem kleinen Baby da, die eine ähnliche Geschichte wie ich hatte. Wir haben uns von Anfang an gut verstanden und unsere beiden Söhne auch. Das hat uns beiden sehr geholfen. Wir sind viel spazieren gegangen und haben uns ausgetauscht. Wir sind auch weiter in Kontakt und werden uns wiedersehen.

Nachdem ich den ersten Wochenendurlaub zu Hause verbracht hatte, wollte ich nicht mehr zurück in die Klinik. Nach dem zweiten Wochenende erst recht nicht. Und da es mir weiter besser und stabil ging, habe ich bei der Oberarztvisite am 23.06. mitgeteilt, dass ich am 27.06. entlassen werden möchte. Mit der Stationsärztin habe ich mich dann darauf geeinigt, nochmal einen Belastungsurlaub unter der Woche zu machen. Das hat auch alles sehr gut geklappt und so bin ich am 27.06.085 entlassen worden.

Seitdem geht es mir immer besser und ich habe endlich Freude an und mit meinem Sohn. Unseren geplanten Familienurlaub an der Ostsee konnten wir somit auch genießen und auch noch eine Woche in unserer Heimat.

Der stationäre Aufenthalt hat mir gezeigt, dass ich sehr wohl alleine mit dem Kind zurecht- komme und alles sehr gut klappt. Auch die emotionale Bindung ist immer stärker geworden, und heute könnte ich den kleinen Tim immerzu knutschen. Er ist unser großes Glück!

Dank meines Mannes und meiner Familie, die mich sehr unterstützt haben, habe ich die schlimme Zeit gut und relativ schnell überwunden. Ohne einen solchen Rückhalt ist es, glaube ich, kaum auszuhalten. Mein stetiger Wille, wieder gesund zu werden und für meine Familie voll da zu sein, hat mich motiviert und geheilt. Und auch meine Erfahrung mit einer schweren Depression in den Jahren 2004/2005 hat mir geholfen, mit dieser Wochenbettdepression fertig zu werden. Ich wusste die ganze Zeit, dass ich stark genug bin, um auch diese zu besiegen und ich habe es geschafft!

Heute blicke ich erfreut und motiviert in unsere Zukunft als Familie und habe auch wieder Freude am Leben. Und v. a. erkenne ich mich selbst wieder - als fröhlichen, aufgeweckten und positiven Menschen, der das Leben liebt und gerne unter Menschen ist.

Ich hoffe, dass mein Bericht hilft und Mut macht, dass diese Zeit wirklich vorüber geht. Ich wollte es am Anfang auch nicht glauben, aber Frau schafft das! Und das allerwichtigste: Nehmt Hilfe an und verliert nicht den Glauben an Euch selbst und die eigenen Kräfte!